Tier und Mensch – oder Mensch und Tier…

Nun kann ich euch endlich berichten, wieso es einige Zeit in Anspruch nahm, bevor ich wieder einmal einen Blogbeitrag schreiben konnte. Die letzten Wochen waren intensiv. Ich bin Menschen begegnet, welche mit Schwierigkeiten verschiedenster Natur zu kämpfen haben. Welchen denen empfohlen wurde sich mehr sportlich zu bewegen, einerseits weil sie müssen und andererseits weil sie einseitige Entwicklungen ausgleichen sollten. Viele und endlich für mich sind Hundebesitzer und das Bedürfnis war und ist, beider Verhalten optimal zusammen zu führen.

Wer kennt es nicht. Die einen übertreiben total mit ihren Tieren, die anderen bemerken ihr eigenes Untertreiben nicht. Sprich; jene Menschen die sich mit Angeboten von Agility bis Tricks befassen damit ihr Tier beschäftigt ist, vergessen oft, sehr oft, sich selber. Sehen die Einseitigkeit ihres körperlichen Einsatzes nicht. Behaupten dass spazieren gehen, an Kursen teilnehmen, in Gruppen unterwegs sein, zugleich Sport für sie selber sei. Meine Beobachtungen haben andere Eindrücke wahrgenommen.

Wie oft gerate ich selber in Diskussionen mit Mitmenschen, wenn es darum geht welcher „Tierflüsterer“, welches Training, welcher Trainer nun die absolut richtige Methode zeigen würde. Was mich enorm stört und wie ich meine total berechtigt ist, wenn vorgegeben wird zertifizierte Menschen seien Könner und vertrauenswürdig-er, nur weil sie einen diplomierten Hintergrund haben. Meine Meinung basierend auf Erfahrungen, welche ich vorwiegend in den letzten 20 Jahren machen musste, bestätigt eben genau dieses nicht. Wie oft sind mir Menschen begegnet, die mit Diplomen, Zertifizierungen, Weiterbildungen, Auszeichnungen etc. auftrumpften und dann doch nicht erreicht haben, was sein sollte, müsste. Menschen denen man vertrauen möchte, weil sie einen Titel besitzen, weil sie eventuell sogar einer uns Menschen beschützenden Institution angehören, vielleicht berühmt wurden und schlussendlich doch nur verschlimmbessert haben.

Also, reden wir doch bitte hier einmal von der Ausstrahlung, der Haltung, der inneren, sowie äusseren und der Wahrnehmung seiner selbst, sowie der Aussenwelt. Und lassen wir das Wörtchen Kongruenz für einmal in dieser Hinsicht aufleuchten. Was Kongruenz ist? Übereinstimmung, ganz kurz gesagt. Wir kennen alle diejenigen, welche sich selber, folglich auch ihrem Umfeld, irgendwie plötzlich erkennbar, doch nur etwas vorgemacht haben. Blender. Einfach nur Beschäftigen, Bewegen, egal was, egal ob’s passt, Hauptsache bei jemand zertifiziertem, oder berühmten, ist kein Garant. Nehme ich die aktuellen Beispiele der Hundeflüsterer, die uns täglich übers Äther in unsere gute Stube hereingetragen werden, gehen die Geister eindeutig um Meilen auseinander. Es wird viel berichtet, auch was die gesetzlichen Konsequenzen anbelangt, jedoch wird keiner als richtig, als stimmig, hervorgehoben. Und was total unter geht, sind die Schwierigkeiten welche Menschen grundsätzlich in sich tragen – sprich der eigene kleine Schweinehund. Ist die Kamera vor Ort, sind alle stets bemüht, das später folgende Resultat ist wenig spektakulär und erfahren wir nicht mehr. Für solche wie mich zu oft zu erleben, erfahren gewesen. Leider fragt dann niemand mehr, was mit den Ergebnissen ist, wie man umzugehen und wer mehr Schaden als Glückserlebnis davon getragen hat.

Leider wird es nicht einfacher, weil Menschen sich allzu gerne auf Zettel verlassen, auf Worte, das Internet und nicht mehr auf ein inneres Gefühl. Dieses innere Gefühl ist leider oftmals gar nicht mehr vorhanden. Weil es nie bestärkt, nie bestätigt, nie korrigiert und auch nie trainiert wurde, existiert es nicht und macht somit abhängig von anderen Menschen, denen man ja gerne vertrauen möchte. Logische Folge? Probleme und ein daraus erst recht wachsender Wirtschaftszweig. Da Diplomkurse, dort Weiterbildungen, hier Qualitätsprüfungen und selbst diesen können wir mal ehrlich, auch nicht mehr voll trauen.

Ein paar, wie ich meine, aussagekräftige Beispiele aus den vergangenen Wochen; da treffe ich einen Menschen an mit z.B. einem hyperaktiven, extrem bewegungsfreudigen Hund, sie hätten lieber einen ruhigen Schmusehund gehabt. Oder, einen Menschen der selber extreme Angst vor der Begegnung mit anderen Hundebesitzern hat und seinen Vierbeiner davor bewahren möchte. Oder, einem Menschen mit einem überaus sportlichen, kräftigen, grossen Tier, welches offensichtlich nichts kennt, ausser mit Kraft und totaler Gleichgültigkeit an der Leine zu ziehen, anstatt einfach mitzugehen. Oder, ein Mensch, mit Atemschwierigkeiten und Venenproblemen in den Beinen. Der Besitzerin des letzten Beispiels, haben wir ihren Tibet Spaniel Mix mit viel Humor zu einem „Schlittenhund“ konditioniert. Der hilft dieser Patientin nun wirklich Steigungen hoch, weil er zieht. Natürlich ist der kleine kein Schlittenhund, aber er hilft ganz ordentlichen mit, weil es ihm Freude bereitet und dem Menschen Motivation gibt, selber mehr leisten zu wollen. Diese psychologische Unterstützung bedeutet mehr als die tatsächliche Muskelkraft. Der Hund spielt Schlittenhund wenn es Bergauf geht, somit muss Frauchen mitlaufen, tut was für ihre Beine und die Atmung. Es stärkt beider Vertrauen, Wohlbefinden und auch den Alltag, wenn sie konsequent dran bleiben.

Vertrauen. Was bedeutet das? Laut Duden: festes Überzeugtsein von der Verlässlichkeit, Zuverlässigkeit einer Person, oder Sache. Laut Psychologie: gibt es zwei Arten von Vertrauen, die zusammenhängend sind. Einerseits Vertrauen in sich selbst und seine Fähigkeiten, andererseits Vertrauen zu anderen Menschen (oder in ihren Fähigkeiten).

Was ich vorwiegend erlebt hatte, sind Menschen die zwar viel (sein) wollen in ihren Vorstellungen, schlussendlich doch immer wieder Rat, Hilfe, Unterstützung, Betreuung suchen, weil Probleme entstanden sind, die sie selber nicht mehr bewältigen können. Je perfekter desto… – So müssen Kinder perfekt sein, der Verdienst muss perfekt sein, der Freundeskreis muss perfekt sein, das Hobby und selbstverständlich müssen auch die Tiere perfekt sein und so weiter. Niemandem ist aufgefallen, dass solches meist in einer Form von überbehüten ausgelebt wird. Sie nennen es Liebe, vertrauen aber weder sich selber, noch dem Kind, oder Tier. Sie vertrauen Worten auf Zertifikaten, ohne das Dahinter genauer zu eruieren. Sie suchen nach Möglichkeiten bei Ärzten, Psychologen, Fitnessangeboten und auch Tierflüsterern.

Meist sind es weibliche Naturen die suchen, verbessern, beweisen wollen und viele stellen gerne alles in der Welt in Frage, ausser sich selber. Man will zwar alles haben und tun, um möglichst positiv in der Gesellschaft aufzufallen, jedoch sollte automatisch, von alleine, sowieso und selbstverständlich, alles mit wenig Aufwand positiv passieren. Nur kein Makel bitte. Und die Hundeschulen, Fitnesstempel, Wellnessoasen, Komplementärangebote, Schönheitsideale, Modeströmungen, boomen ohne Ende. Besser, schneller, schöner, weiter, höher, ob es passt oder nicht.

Der wie ich meine fatale Glaube einer ausgebildeten Person mit Diplom, Zertifikat, Auszeichnung mehr Vertrauen schenken zu wollen, nur weil da eine Zertifizierung vorhanden ist, kann mitunter ziemlich „in die Hose“ gehen. Die Schnellkurse bringen keine gesicherte Vertiefung, der erworbene Titel auch nicht, das bringt erst die Erfahrung und das bewältigen von Problemfällen. Auch das alles immer schön, bequem, ohne Aufwand, lässig, schick, mit Spassfaktor sein muss und ohne Zeiteinschränkung passieren sollte, bringt ebenso wenig Sicherheit, der Markt boomt dennoch. Garantiert sicher ist urplötzlich und bei genauerer Betrachtung nichts mehr immer, oder nicht mehr so wie es versprochen war. Die Rechtfertigung folgt. Leider merken viele der Damen es zum ersten Mal wirklich, wenn von aussen auf Probleme aufmerksam gemacht wird. Dann wenn sie selber grundsätzlich und in erster Linie bei sich selber, ihrem Alltag, ihrem Umgang etwas ändern müssen, damit es ihnen und ihren Vierbeinern wieder besser geht. Und da sind wir beim inneren Schweinehund. Kurz, die Selbstwahrnehmung und folglich das Selbstvertrauen, lässt ganz eindeutig Fragen offen.

Rechtfertigungen. Was bedeutet das nun wieder? Nehme ich dieses Wort auseinander dann entsteht wie ich meine, eine Form von Recht welches gefertigt wird. Was noch lange nicht bedeutet, dass es richtig ist. Begegne ich Menschen die dies und das rechtfertigen, bemerke ich insgeheim ein sich nicht entschuldigen können, weil man unter Umständen nicht wissend falsch lag, war, lebte und ist. Man möchte nicht doof erscheinen, nicht bequem erscheinen, man will gut sein und sich wenig bemühen. Wird ein Lebewesen nun wirklich besser, wenn er sich einem anderen, sich als Profi bezeichnenden Menschen anvertraut? Oder sollten wir das Wort Entschuldigung auch auseinander nehmen, damit daraus ein Ent-Schulden wird? Geht es nun um Schuld, oder Vertrauen?

Also die Begründung ist meistens in allerlei Ausreden verankert, damit die Damen die in einer Form von Verantwortung stehen, nicht aus ihrer Haut müssen. Die eine will lieber Party, Ausgang und mit, aber vor allem bei anderen Abhängen. Das Kind hat alles und immer bekommen, was es wollte, sogar den hyperaktiven Hund. Das Kind war überbehütet und kann mit Problemsituationen nicht umgehen, weil es sofort überfordert ist und sich einfach abwendet. Jede Schwierigkeit wurde ihm entweder abgenommen, oder schön geredet, so dass das Kind nie etwas anderes als sich rechtfertigen, oder abhauen lernte. Das Resultat war natürlich haarsträubend. Die Mutter und die Tochter, haben einen unterbeschäftigten Hund der dauernd alle und alles ankläfft, rebellierend, zum Teil bis hin zum Beissen. Die Frage ob sie Hilfe benötigen könne, hat vorerst die Mutter mit ja beantwortet. Es musste als erstes einiges Zuhause geändert werden, wurde aber nicht, es wurde vermischt. Denn schon nach drei Tagen kam der Anruf mit; Hilfe es ist schlimmer geworden. Diese Mutter meinte dann es sei der Hund ihrer äusserst sensiblen Tochter und sie wolle diese nur beschützen. Vor was, oder wem? Nun kurz und bündig, offensichtlich nicht vor sich selber, denn das Ende war dementsprechend schnell da. Die Tochter führte sich selber vor, der Hund gehorchte ihr nicht. Da er mit und bei mir keine Probleme zeigte, musste sie einsehen der Hund wurde zu einem Problemhund durch ihre eigene Inkonsequenz. Sie verzichtete, sehr schnell auf den Hund und entschied sich für Party, Abhängen, nichts tun und der Mutter weiterhin weder behilflich zu sein, noch endlich erwachsen und selbstverantwortlich zu werden. Resultat; Hund weg, damit man sich also nicht ändern muss. Und am Ende war dann auch die Tochter weg. Weil dies alles ein erwachen bei der Mutter bewirkt hatte. Ein Einsehen, dass zu sehr behüten nichts bringt, vor allem ihr wenig Raum für sich selber lässt.

Der Hund entwickelt sich zum ersten Mal in seinen dreieinhalb Lebensjahren zu einem tollen Tier, welchem man einfach Vertrauen schenken muss, denn er ist grossartig. Das Thema sich bewegen, schlau und gesund, bleibt bei beiden Menschen. Leider zeigt sich erst im späteren Leben, welche Art des zu bequem sein sich schädlich auf was im Körper, in der Psyche, der Selbstwahrnehmung, oder in Lösungsansätzen, ausgewirkt hat. Schrecklich finde ich, dass Hund benutzt wurde um vorzutäuschen, dass man sportlich sei. Der Hund aber zeitweise 14 Stunden warten musste, bis er wieder einmal frische Luft atmen durfte und vor allem, sich erleichtern. Leider also eine Wahrnehmung die gründlich schief ging und welche von keiner der bisherigen Hundeschulen, Hundeflüsterer, Polizeihundeführer etc. wirklich erkannt und in Angriff genommen wurde.

Nach wie vor behaupte ich, dass Fitnessangebote alleine, oder die in schnellbleichen diverser asiatisch stämmigen Bewegungskünsten entstandenen Angebote, niemals das Bewusstsein, die Wahrnehmung eines Menschen so nachhaltig positiv beeinflussen können, wie behauptet wird. Dafür spricht die Studie aus der Neuropsychologie, dass erst nach mindestens 10‘000 Übungsstunden eine Selbstverständlichkeit, Verinnerlichung entstehen kann. Krafttrainings machen also deshalb nicht bewusst, weil alleine schon eine Pause von zwei bis drei Wochen eine dermassen grosse Einbusse bewirken, dass man das Gefühl hat von vorne beginnen zu müssen. Die Vorgaben der maschinellen Bewegungen, schränken zusätzlich eine differenzierte Wahrnehmung ein. Nicht so in Bewegungsarten, Sportarten die technische Fähigkeiten trainieren und z.B. im Spiel, Turnier, Wettkampf auch mit dem Verlieren, sprich ein anderer ist besser, umzugehen lernen müssen. All die Fitnessangebote, mittlerweile auch für Tiere, der Beschäftigung wegen, bringen schon vergnüglich zum Bewegen, aber Zumba, Agility und Co. macht nicht bewusst wie man Vertrauen schafft, oder wie mit z.B. Konflikten, Körper gegen Körper, oder Vorurteilen umzugehen ist.

Im Gegenteil, die gesamte Fitnessbranche hat sich mir vorwiegend in einer sehr komischen Vorurteilshaften Haltung manifestiert. Da sind Menschen entweder im BMI zu dick, haben zu wenig Muskulatur, keine Definition und mit der Behauptung Ausdauer (nichts anderes als ein Bestandteil der Kondition) würden sie auch ausdauernder Arbeiten, wird der Allgemeinheit in rechtfertigender Weise vorgegaukelt, sie müssten Sport betreiben. Dasselbe z.B. mit Marathons in verschiedensten Versionen hilft kaum Gefahren zu erkennen, sein Gegenüber einzuschätzen, es dreht sich ja immer alles nur um sich selber. Merkt ihr worauf ich hinaus will?

Treffe ich also Menschen an, die unbedingt etwas verändern müssen, weil ihr Leben, ihr Umfeld inklusive Tiere, ihre Gesundheit, ihr Körper gerade in Schwierigkeiten steckt, dann sollten sie eben von innen her was für sich und ihren Körper tun. Sie müssen also so oder so etwas grundlegend ändern und fix in den Alltag einbauen und mit einer disziplinierten Konsequenz verfolgen, ohne Andere, oder anderes ausser Acht zu lassen. Mit über 40 Jahren Unterrichtserfahrung finde ich eher früher wie später heraus, wie ernsthaft der Mensch daran interessiert ist, sich selber zu verbessern, oder nur sein Äusseres, sein Erscheinungsbild, sein gerechtfertigtes Bewusstsein, ohne vertrauensvollen Tiefgang und ohne Nachhaltigkeit. Sich mit seinen Schwächen auseinanderzusetzen ist nicht schlecht, diese nur zu rechtfertigen hingegen schon. Seine Stärken ehrlich zu beurteilen und nicht nur irgendwelche vorzugeben, ohne jegliche Übung, funktioniert eben auf Dauer nicht, auch wenn man es gerne hätte.

Der innere Schweinehund. Was bedeutet nun dieses?

In diesem Fall ist, wie ich meine das Wichtigste, nicht immer die Schuld, den Grund, die Rechtfertigung ausserhalb von sich selber zu suchen, nur um sich nicht verändern zu müssen. Kurz; wer sich nicht verändernden Übungen stellt, die Übungen nur halbherzig, inkonsequent allein mit seinem Kopf, Verstand umsetzt, der Versteht eben nur Kopftechnisch und der Körper, das Sinnliche weiss schlussendlich nie, wie es eingesetzt werden kann. Sprich, das Kognitive wird nicht besser, es wird schlechter, oder verurteilend. Das Vertrauen fehlt. Beispiel: Wer von euch da draussen kann noch blindlings hinter sich ein Glas, das man an einem bestimmten Standort vermutet ohne zu schauen greifen? und ohne dass Scherben entstehen? Also könnten demjenigen, wichtigste Erfahrungen in seinem Leben, also auch wichtigste Erkenntnisse über sich selber und über Grenzen, entgehen.

Es lebe das sich Bewegen aber mit Tiefgang, Bewusstsein und Nachhaltigkeit für das Kognitive und in diesem Fall unbedingt mit L.E.P. Versucht es doch einfach einmal, miteinander trainieren anstatt separat. L.E.P. für Tier und Wir.

In diesem Sinne zählt doch ein Erfahrener Mensch mehr, wie irgendwelche Zertifizierungen, oder?

Herzlich eure claude

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